Freitag, 07. Februar 2020 10:57

GUC@EUICC2020

Von Bremen nach Herning

Schon die Geschichte, wie es überhaupt noch zur Teilnahme des GUC an der EUICC kam, ist ein eigenes Kapitel. Wir hatten nämlich bereits im September 2019 Interesse geäußert und hofften einen Spot zu ergattern. Nachdem bekanntgegeben wurde, dass nur ein Open-Team aus Deutschland zur EUICC fahren wurde, waren wir zugegebenermaßen etwas enttäuscht. Wie das immer so ist: die Zeit schreitet voran und man konzentriert sich dann einfach auf andere Dinge. Schließlich stand ja auch noch eine ganze Indoor-Saison vor der Tür und es gibt viel zu planen und andere Städte haben ja auch schöne Turniere. 

Zum Beispiel den Mudderscup in Bremen, der regelmäßig eine verlängerte Periode der Vorfreude entfacht und zusätzlich eine gute Vorbereitung für die Indoor-DM ermöglicht.. Also schnell noch Weihnachten und den Jahreswechsel abhaken und dann geht’s schon in den Nordwesten der Republik. Für uns eine wirklich schöne Tradition und außerdem eine Herzensangelegenheit - Muddi is halt einfach die Beste. So kam es, dass wir nach 6 gewonnenen Spielen und eine 5-jährigen Durststrecke den Pokal endlich mal wieder mit nach Potsdam nehmen durften.


"You son of a bi*ch im in"

Warum erzähle ich das alles? Ganz einfach: weil ich glaube, dass wir ohne dieses perfekte Wochenende in Bremen vielleicht ganz anders auf das reagiert hätten, was uns am Montag darauf per Mail erreichte. Aus einer kurzen Mail von Mathias Zaccarin, in der uns eröffnet wurde, dass wir für die EUICC nachrücken könnten, entwickelte sich eine hektische Kommunikation auf einem bekannten Messengerdienst. Zunächst waren noch die Frizzly Bears aus Aachen auf der Nachrückerliste vor uns, die jedoch am Montagabend bescheid gaben, dass Sie den Spot nicht annehmen könnten. Zu diesen Zeitpunkt hatten wir schon diverse Interessensbekundungen gesammelt und standen nun vor der Entscheidung, ob wir in 2 Wochen doch noch die erste jemals stattfindende European Ultimate Indoor Club Championship spielen sollten. Die Entscheidung ließ nicht allzu lange auf sich warten: Ja, wir machen das, oder anders ausgedrückt: 

 

Die Ereignisse überschlugen sich ein wenig und plötzlich gab es eine ganze Reihe an Dingen zu organisieren: Urlaub beantragen, Klausuren verschieben, Spielerprofile auf Ultimate Central anlegen, eine bezahlbare Unterkunft finden, die Anreise organisieren, Förderung bei der Stadt beantragen... In Anbetracht unserer verkürzten Planungsphase erwiesen sich einige der ToDos durchaus als Herausforderung. Schließlich hatten zum Beispiel schon 43 andere Teams in Herning und Umgebung Ferienhäuser, Hotels, Jugendherbergen, etc. gesucht und gefunden. (Bei der Suche auf großen Webseiten für Ferienhäuser in Dänemark gab es auf der Kartenansicht um Herning herum einen Bereich, der einfach keine einzige Pinnadel aufwies.) Letztendlich konnten wir noch eine "Villa" im Osten der Stadt ausfindig machen und unsere Gastgeber Camilla und Claus überreden noch 2 zusätzliche Betten aufzustellen, um alle Spieler beherbergen zu können.


#EUICC2020 - Donnerstag

Viele von uns mussten am Mittwoch vor dem Turnier noch arbeiten/zur Schule/Uni und wir brachen deshalb erst am Nachmittag des 29.01.2020 Richtung Dänemark auf. Nach 613km, einer Personenkontrolle an der dänischen Grenze und den üblichen Pause erreichten wir Camillas Haus. Eine noble Stadtvilla mit Blick aufs freie Feld war im klassischen "Danish Design" eingerichtet und bot alles für eine entspannte Zeit vor und nach den Spielen. Nach einem ausgedehnten Team-Meeting zu allen Besonderheiten des Turniers, endete der Abend mit alten Frisbeegeschichten und Rotwein. 

Am kommenden Morgen war es denn endlich so weit und das Turnier startete im Herning Sportscenter - eine sehr große Anlage mit insgesamt 5 Spielfeldern, 2 WarmUp-Hallen und Umkleiden für alle Teams. Zwei der Spielfelder hatten eine Tribüne und wir starteten um 9:45Uhr gegen Salaspils WT (Salaspils nahe Riga, Lettland). Es gelang uns ein wirklich sehenswertes Auftaktspiel gegen die Mitfavoriten aus Lettland. In der ersten Hälfe tradeten wir Punkte, anschließend gelang es den Letten ihre Breaks zu holen. Dennoch war es ein guter Einstand auf diesem hoch besetzen Turnier. Zu Analysezwecken haben wir das Spiel aufgenommen - schaut doch mal rein:  https://www.youtube.com/watch?v=uRMGjMG6IKw&list=PLIYJRrcTsYfMcHw5nXsSLAxHM3j3NYqzU 

Nach kurzer Pause stand das Spiel gegen die "Gastgeber" aus Aarhus an. Unser Spiel war nicht so konstant wie gegen Salaspils und zu viele Fehler unsererseits führten zu einer 9:15-Niederlage. Im späteren Verlauf sollten wir Aarhus Ultimate noch einmal treffen. Dazu aber später mehr.

In der Zeit zwischen unseren Spielen ist es dann zu einer guten Tradition geworden, andere befreundete Teams anzufeuern. Wir entwickelten uns für die Hucks (Berlin, Mixed-Division) zu einer Art Ultra-Fanclub und begleiteten ihre Spiele mit Klatsch-Choreografien und lauten Anfeuerungsrufen von der Tribüne. Wer die Livestreams verfolgt hat, konnte sich ein entsprechendes Bild unserer "Arbeit" machen. ;-) In der Zeit des Turniers durften sich auch To-Get-Her (Gemmrigheim, Open-Division) und Ultimate Saku (Saku, Mixed-Division) über unseren Support freuen. Jakub, einer der Spieler von Saku hatte vor einiger Zeit ein Praktikum in Potsdam absolviert und spielte auch einige Turniere mit uns. Es war uns daher ein inneres Bedürfnis ihn und sein Team etwas zu unterstützen. 
An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass wir es leider nicht geschafft haben die anderen beiden deutschen Teams Seagulls (Hamburg, Women-Division) & Maultaschen (Tübingen, Mixed-Division) in voller Teamstärke zu supporten. Zumindest hatten wir mehrfach ganz schöne Wechselgesänge von unterschiedlichen Tribünen. Danke dafür und Herzlichen Glückwunsch zum 9. Platz an die Maultaschen und zur Bronze an die Seagulls. Starke Leistung!

Für den Donnerstag stand noch ein letztes Spiel gegen Viksjöfors IF (Schweden) an. Im Nachhinein betrachtet, hätten wir diesen Spiel auch gewinnen können. Leider machten wir aber auch in diesem Spiel wieder den ein oder anderen Fehler zuviel. Positiv zu erwähnen bleibt, dass alle Spiele spiritmäßig auf einem sehr hohen Niveau stattfanden. Leider mussten wir im vorletzten Spiel einen Spieler mit Wadenproblemen einbüßen, der uns im letzten Spiel merklich gefehlt hat. Spoiler: Nach diversen Physiobehandlungen und 1-2 Gläsern Rotwein, konnte unsere #37 am nächsten Tag wieder spielen.

 

Für den Abend stand noch die jährliche Mitgliederversammlung des GUC an, die wir dank eines pervers großen Fernsehers in Camillas Haus per Livestream verfolgen konnten. Bei der Terminabstimmung war auch noch nicht bekannt, dass wir zu diesem Zeitpunkt in Herning verweilen würden. 

 


#EUICC2020 - Freitag

Am Freitag ging es in den nächsten 4er-Pool mir Real Five (Russland, späterer Turniersieger in der Open-Division), Madcaps (Ukraine) und Hardcore Ultimate (Lettland). Mit Real Five warfen auch große Namen ihren Schatten voraus. Für viele von uns das erste Mal, dass wir auf Spieler treffen, die man vorher schon auf großen Turnieren im Livestream bestaunen konnte. Vielleicht hat uns das auch etwas verkrampft spielen lassen und wir gerieten früh in Rückstand gegen die stark aufspielenden Russen. Nach einem semi-optimalen ersten Tag musste Real Five jetzt den langen Weg über die Prequarters gehen. In der zweiten Hälfte konnte wir uns zwar etwas stabiliseren, verloren das Spiel aber 7:15.

 

Im zweiten Spiel des Tages spielten wir von Anfang an konstanter und konnten das Spiel knapp gestalten. Am Ende stand ein Universe-Point zu buche, den wir leider an Madcaps abgeben mussten. Festzuhalten blieb jedoch, dass wir im Turnier angekommen waren und die Teamstimmung nicht besser hätte sein können. 

 

Im letzten Freitagsspiel trafen wir auf Hardcore Ultimate aus Riga. In einem von lettischer Seite sehr körperlich geführten Spiel, konnten wir unsere stärken nicht besonders gut ausspielen und verloren das Spiel am Ende 7:11. Ich bin froh, dass sich in diesem Spiel keiner unserer Spieler ernsthaft verletzt hat. Hardcore hatte einen Verlust zu beklagen, da einer ihrer Spieler ohne Fremdeinwirkung umknickte. Mit Wieland, der seinen Angelurlaub in Norwegen verschoben hatte und am Freitagabend von seinen Verwandten abgeholt wurde, mussten wir aber dann doch einen Spieler für die kommenden Tage einbüßen.

Für den Abend hatten sich unsere Juniors bereit erklärt, die Nahrungsversorgung zu übernehmen und es gab sehr leckere Pasta mit 2 unterschiedlichen Saucen. Die Sandwiches, die man bei den Organisatoren im Vorfeld bestellen konnten, waren etwas trocken und alle stürzten sich auf die Nudeln.

 

 


#EUICC2020 - Samstag 

Immer noch kein Sieg und langsam wollten wir auch unseren Daheimgebliebenen mal gute Nachrichten schicken. Die beginnenden Platzierungsspiele lieferten die entsprechende Motivation und wir starteten zum ersten Mal mit einem späten Spiel. Also erstmal ordentlich frühstücken und dann gut spielen - so lautete unser Plan. 

Wie treffend, dass wir gleich auf ein Team aus dem Vereinigtem Königreich trafen, die in der vergangenen Nacht die Europäische Union verlassen hatten. FC war gespickt mit Chevron-Spielern und die hatten richtig Bock. Es entwickelte sich ein hochklassiges Spiel mit extrem gutem Spirit, welches wir jedoch mit 9:11 verloren. Als einziges Team machten wir nach dem Spiritkreis noch ein winziges Spiritspiel. Das Team hatte 3 Geschwisterpaare in ihrem Kader und wir sollten die Brüder finden. Nach einigem Hin und Her, haben wir es tatsächlich geschafft alle drei Brüderpaare richtig zuzuordnen, was offenbar nicht so häufig vorkommen würde.

 

Geschrieben von Florian Fischer